Bauordenprojekt in Albanien
Der Internationale Bauorden (www.bauorden.de) organisiert seit über 50 Jahren internationale Jugendbegegnungen, Friedensdienste und Hilfsprojekte in Europa und unterstützt soziale und gemeinnützige Einrichtungen durch Bau- und Renovierungsarbeiten.
Diese Arbeiten werden zum größten Teil über Spenden finanziert. In Deutschland wird die Arbeit des Bauordens in Ludwigshafen organisiert und dort jährlich etwa 180 Hilfsprojekte - so genannte Baucamps - zusammen mit Partnern in Europa geplant. Bisher haben über 350.000 Freiwillige an diesen Projekten teilgenommen. In einem Baucamp arbeitet eine internationale Gruppe von Freiwilligen (meist 8-12 Helfer) zwei bis drei Wochen zwischen 7 und 8 Stunden am Tag, die Wochenenden sind arbeitsfrei. Die Teilnehmer werden durch den Bauorden versichert, die Reisekosten bei Projekten innerhalb Deutschlands werden durch den Träger übernommen, bei Baucamps im Ausland tragen die Teilnehmer die Reisekosten selbst. Für die Teilnahme an einem Baucamp gibt es kein vorgeschriebenes Alter, jedoch sind die meisten Freiwilligen zwischen 20 und 25 Jahre alt. Sie kommen aus ganz Europa, aber grundsätzlich stehen die Projekte allen Interessierten weltweit offen Besondere handwerkliche Fähigkeiten sind für einen solchen Einsatz zwar von großem Nutzen, aber vor Ort natürlich sehr hilfreich. Was die Teilnehmer verbindet, ist die Motivation, etwas Gutes zu tun, Erfahrungen zu sammeln und in einer internationalen Gruppe zusammen zu leben.
An einem solchen Baucamp in Gorica (Albanien) hat Susann Thiele, Mitarbeiterin in der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH, vom 30.08.-13.09.2009 teilgenommen. Sie erfuhr davon durch eine Broschüre, die dem EUROPE DIRECT-Informationszentrum Erzgebirge zugegangen war.
„Da ich sehr offen für neue Dinge bin, habe ich mit Interesse darin gelesen. Als ich dann noch sah, dass ein solches Camp auch in Albanien stattfindet, habe ich nicht lange überlegt. Ich habe gleich per E-Mail beim Bauorden angefragt und etwa eine Woche später hatte ich den Teilnahmeplatz, worüber ich mich natürlich riesig gefreut habe.“
Das Projekt „Grenzüberschreitender Park Prespa“ liegt an der Grenze zwischen Mazedonien, Griechenland und Albanien; eine Region, die über Jahrzehnte unter Konflikten litt, die aber gleichzeitig über eine unschätzbare Landschaft und kulturelles Erbe verfügt.
Ziel des Projektes ist, eine nachhaltige Entwicklung in den Nationalparks entlang der Grenze zu fördern und den Umweltschutz und nachhaltigen Tourismus zu unterstützen. In dem 2 Wochen dauernden Aufenthalt wurde an die Arbeiten der ersten Gruppe angeknüpft; beide Gruppen sollten dabei helfen, ein Besucherzentrum für Touristen und Einheimische zu errichten. Da das dafür vorgesehene Haus lange nicht benutzt und deshalb in einem schlechten Zustand vorgefunden wurde, mussten viele grundlegende Bauarbeiten durchgeführt werden, wobei Sanierungsarbeiten und Malerarbeiten vorrangig waren. Hinzu kamen Gartenarbeit, das Reinigen und Einräumen der Zimmer sowie die Einrichtung eines Ausstellungsraumes mit alten Handwerks- und Alltagsgegenständen. Dieser wurde durch Schaubilder von Pflanzen des Nationalparks sowie einheimische, selbst hergestellte Produkte ergänzt. Das Haus bietet nun außerdem Möglichkeiten für Veranstaltungen, Treffen dabei stehen auch Betten für Übernachtungen zur Verfügung.
Gearbeitet wurde etwa 8 Stunden täglich, mal mehr, mal weniger, je nachdem wie dringlich Arbeiten verrichtet werden mussten und welches Material zur Verfügung stand. Die Gruppe bestand aus 7 Personen (leider hat ein Teilnehmer krankheitsbedingt kurzfristig absagen müssen) im Alter von 18-28 Jahren, davon waren 2 aus Deutschland und 5 aus Belgien. Als Arbeitssprache wurde Englisch gewählt, was für alle Teilnehmer unproblematisch war. Der gegenseitige Austausch in Deutsch und Flämisch war manchmal jedoch unumgänglich und für alle sehr aufschlussreich. Die Kommunikation innerhalb der Gruppe war sehr ungezwungen und gemeinsame Themen wie Filme, Musik und Reisen schnell gefunden. Die Unterbringung der Teilnehmer erfolgte in Gastfamilien, jede/r in einer anderen Familie wohnte. Das tägliche Abendessen wurde von allen zusammen, bei den jeweiligen Gasteltern eines Teilnehmers eingenommen, so dass am Ende der zwei Wochen jeder Teilnehmer die Gasteltern der gesamten Gruppe kannte und umgekehrt auch die Gasteltern jeden Teilnehmer kennen lernen konnten. So konnte man einen guten Einblick in das alltägliche Leben, Wohnen und das persönliche Umfeld der Bevölkerung vor Ort gewinnen.
„Ich würde auf alle Fälle wieder an einem Baucamp teilnehmen. Nicht gleich in den nächsten 3 Monaten, aber im nächsten Sommer eventuell. Wenn es ein interessantes Projekt gibt – und da bin ich mir sicher - werde ich mich mit Sicherheit wieder bewerben. Ich kann das nur jedem empfehlen, der sich gern einmal sozial engagieren möchte und dabei auch praktisch etwas tun will. Man arbeitet in einer jungen weltoffenen Gruppe zusammen und lernt sowohl Land als auch Menschen, die Küche sowie Tradition und Kultur des Landes kennen – eine gelungene Mischung.“
Susann Thieles Verbundenheit zu Albanien kommt nicht von irgendwoher: bereits 3 Mal hat sie das Land besucht. Im Oktober 2004 und im April 2005 war sie jeweils für 10 Tage auf Exkursion in Nord- und Südalbanien, zusammen mit Studenten und Dozenten der Universität Bamberg.
„Aufgrund der vielen spannenden Eindrücke und tollen Erfahrungen dort, habe ich dann ein halbes Jahr später beschlossen, meine Diplomarbeit einem Thema in Albanien zu widmen. Und bereits im Frühjahr 2006 habe ich dann 3 Monate in Tirana gelebt – eine Zeit, die ich niemals vergessen werde. Auch wenn vieles anders läuft und nicht ganz so strukturiert und organsiert ist wie in Deutschland, bin ich dennoch zufrieden zurück nach Deutschland geflogen und dort meine Abschlussarbeit zu Ende geschrieben.“
Susann Thiele ist Mitarbeiterin der WFE GmbH.
Weitere Auskünfte gibt es unter www.bauorden.de/start.php
