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Stand / Druckdatum: 21.11.2017

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Neues aus der EU und dem Erzgebirge

 
 

Der Ärger mit den vollbiologischen Kläranlagen

09.11.2017 | Newsmeldung  | EuropeDirect

Der Erzgebirgskreis will die Daumenschrauben bei Betreibern von Kleinkläranlagen anziehen, die noch nicht vollbiologisch arbeiten. Das Landratsamt geht derzeit von rund 830 Eigentümern aus, die ihre Anlagen nicht nach den neuen EU-Vorgaben umgerüstet haben. Der Großteil (700) habe zwar angegeben, umrüsten zu wollen, aber in der Unteren Wasserbehörde oder beim Abwasserzweckverband noch keinen Vollzug gemeldet, sagt ein Behördensprecher. Alle müssen jetzt mit einer Sanierungsanordnung rechnen. Gleichzeitig will das Landratsamt Bußgeldverfahren einleiten.

Der Frust scheint nicht nur bei den in der Unteren Wasserbehörde als Verweigerer geführten Eigentümern tief zu sitzen. Rüdiger Freiwald (Name geändert) hat vor vier Jahren in moderne Aufbereitungstechnik investiert, heute ist er ernüchtert. Der Erzgebirger, der sich in seiner Freizeit und beruflich für den Umweltschutz engagiert, hatte von Beginn an mit den seit 2015 geltenden wasserrechtlichen EU-Auflagen seine Probleme. „Ich bin überzeugt, dass mein Grauwasser weniger die Umwelt belastet als das in Kleinkläranlagen behandelte Wasser aus ,Chemiehaushalten‘“, sagt er. Seine Familie lebe konsequent ökologisch, verwende aus Überzeugung zum Beispiel nur biologisch abbaubare Putzmittel. Weil Freiwald mit seiner Argumentation im Landratsamt nicht durchkam, rang sich die junge Familie durch, 9000 Euro in den Neubau einer modernen Kleinkläranlage zu stecken. „Stromlos musste sie funktionieren. Denn ich wollte nicht auch noch Energie verbrauchen“, erklärt Freiwald.

Die Anlage funktioniert jedoch nicht so wie sie sollte. „Leider stimmen nach vier Jahren die Sauerstoffwerte und das Schlammvolumen immer noch nicht“, ärgert sich Freiwald. Zusammen mit dem Wartungsprotokoll bekam er ein zweiseitiges Schreiben mit Hinweisen in die Hand, auf was er beim Betrieb der Anlage achten soll. „Nur blöd, dass ich alles schon beachte und eigentlich nichts besser machen kann“, sagt Freiwald. Zugleich wird der Erzgebirger mit dem Schreiben belehrt, dass er bei Fortbestehen der Mängel selbst Wartungsprotokolle schreiben müsse und weitere kostenpflichtige Laboranalysen hinzukämen. Diese Art von Drohung kann der Erzgebirger nicht verstehen. „Von einer Kleinkläranlage, die 9000 Euro gekostet hat, erwarte ich schon, dass sie funktioniert“, sagt Freiwald, der sich seine abflusslose Grube zurückwünscht. Die musste nur einmal im Jahr geleert werden, und es fielen keine Wartungskosten an. Von ähnlichen Fällen habe er im Bekanntenkreis gehört.

Dass vollbiologische Kleinkläranlagen die geforderten Grenzwerte überhaupt nicht einhalten, kann Ramona Hälsig für ihren Zuständigkeitsbereich nicht bestätigen. Sie ist Technikleiterin beim Hainichener Zweckverband ZWA, in dessen Einzugsbereich – Mittelsachsen und ein Teil des mittleren Erzgebirges – rund 12.000 biologische Kläranlagen arbeiten. „Mit einigen gibt es zeitweise Probleme, aber nicht permanent“, sagt Hälsig. Dabei spricht sie von annähernd 300 verschiedenen Bautypen und Nachrüstsätzen, die nach Bauart-Zulassung zertifiziert wurden. „Entscheidend ist, wo die Anlagen aufgestellt und wie sie betrieben werden.“

Wie gut die Bakterienstämme arbeiten, hängt unter anderem vom Abwasseranfall ab. Geschieht der Zufluss kontinuierlich oder stoßweise? Werden im Haushalt viele Reinigungsmittel verwendet? Leben dort Menschen, die Arzneimittel einnehmen, gibt es gar Chemotherapie-Patienten? Alle Faktoren haben Einfluss auf die Biologie der Anlage, erklärt Ramona Hälsig. Zu den Aufgaben der Wartungsfirma gehöre es, die Anlagen richtig einzustellen und Lösungsmöglichkeiten zu suchen, die den Betrieb verbessern.

Eine Kontrollfunktion kommt dabei auch den Abwasserzweckverbänden zu. Um den Überblick zu behalten, hat der Hainichener ZWA eine digitale Schnittstelle zur Erfassung von Wartungsprotokollen geschaffen. Jährlich wird mit dem Eingang von bis zu 23.000 Unterlagen gerechnet. Die Eigentümer sind in der Pflicht, Protokolle der Dienstleister dem Verband zu übergeben. „Doch das machen noch nicht alle“, sagt die Technikleiterin.

(Quelle: Freie Presse)
 
 
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