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Stand / Druckdatum: 26.03.2017

Verbraucherschutz in anderen EU-Ländern | EUROPE Direkt Informationszentren Erzgebirge

 

 
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Das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland bietet Ihnen kostenlose Hilfe an !

Das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland unterstützt Sie bei der außergerichtlichen Streitbeilegung mit grenzüberschreitenden Händlern mit Sitz in der EU, Island und Norwegen. Darüber hinaus informiert Sie das EVZ über Ihre Rechte als Verbraucher und bietet praktische Tipps für den europäischen Alltag.

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Verbraucherschutz wird auch in anderen Ländern Europas groß geschrieben. Häufig gehen sie sogar mit besserem Beispiel voran. Ein Blick über die Grenze lohnt sich!

Tschechien
Mit der gesetzlichen 24-Monats-Garantie liegt Tschechien europaweit vorne.

Sollte gekaufte Ware defekt sein, muss der Verkäufer haften - und das mindestens zwei Jahre lang. Das heißt, er muss die defekte Ware austauschen oder reparieren. In Deutschland kann eine Ware bei diesem „Gewährleistungsrecht“ aber häufig nur in den ersten sechs Monaten reibungslos ausgetauscht oder repariert werden.

Der Grund: In den ersten sechs Monaten wird davon ausgegangen, dass ein Mangel der Ware schon zum Zeitpunkt des Kaufs vorhanden war. Danach liegt die Beweislast beim Käufer. Dieser muss also im Zweifel beweisen, dass der Defekt nicht von ihm verursacht wurde. Ein Nachweis, den der Verbraucher eigentlich nur mit einem technischen Gutachter erbringen kann.

Neben der gesetzlichen Gewährleistung gibt es aber auch noch die Garantie. In Deutschland ist diese nur eine freiwillige Risikodeckung, die vom Hersteller oder Verkäufer angeboten wird. Bei hochpreisigen Elektronikartikeln (Tablets, Smartphones, etc.) liegt die Garantie häufig nur bei einem Jahr.

In Tschechien haben es Verbraucher einfacher. Denn hier gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Garantie von 24 Monaten für versteckte Mängel. Funktioniert z.B. ihr Tablet nach 23 Monaten nicht mehr, muss der Verkäufer den Mangel beseitigen (Reparatur, Umtausch oder Kaufpreiserstattung). Von dieser Regelung ausgenommen sind lediglich Lebensmittel und Blumen.


Österreich
Stillschweigende automatische Vertragsverlängerungen sind in Österreich verboten.

Viele Dienstleistungen (Bahn-Abonnements, Fitnesscenter, kostenpflichte E-Mail-Postfächer, etc.) haben eine Vertragslaufzeit zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Gezahlt werden muss in der Regel auch wenn Sie die Dienstleistung nicht mehr nutzen.

In Deutschland können Anbieter in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eine Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten vor Ende der Vertragslaufzeit festlegen. Verpassen Verbraucher diese Frist, verlängert sich der Vertrag stillschweigend automatisch.

In Österreich muss hingegen in einem gesonderten „Warnschreiben“ auf die bevorstehende automatische Vertragsverlängerung hingewiesen werden. Kurz vor Ablauf der Vertragslaufzeit – aber noch vor Ablauf der Kündigungsfrist. Ohne solchen Hinweis kann ein Verbraucher den Vertrag jederzeit rückwirkend zum Zeitpunkt der Verlängerung kündigen!


Frankreich
Bei Pfusch am Bau sind Bauherren zehn Jahre lang abgesichert

Der Alptraum jedes Häuslebauers: Das Bauunternehmen macht grobe Fehler, für die es nicht haften will. Und geht dann auch noch insolvent... In Frankreich sind Bauherren in solchen Fällen abgesichert. Denn hier verpflichtet die „garantie décennale“ Bauunternehmer und Handwerker, zehn Jahre lang für Schäden an dem von ihnen gebauten Gebäude zu haften.

Diese Garantie, die im französischen „Code Civil“ (Bürgerliches Gesetzbuch) festgelegt ist, erfolgt aufgrund einer Versicherung, die das Unternehmen abschließen muss. Darüber hinaus ist sie verschuldensunabhängig. Es spielt also keine Rolle, welcher Unternehmer in den ersten zehn Jahren die auftretenden Schäden verursacht hat – bei Pfusch am Bau bleibt kein Bauherr auf sich alleine gestellt.

Doch die  „garantie décennale“ hat auch ihre Kehrseite. Denn die in Frankreich obligatorische Versicherung steht in der Regel nur französischen Unternehmen zur Verfügung. Ausländische Bauunternehmer haben zwar auf dem Papier das Anrecht, die „garantie décennale“ abzuschließen. Viele Versicherer lassen entsprechende Anfragen von ausländischen Bauunternehmen aber einfach ins Leere laufen.


Belgien
Manipulierte Tachos bei Gebrauchtwagen? Belgien beugt vor: Der "Car-Pass" schützt Käufer.

Wird ein Fahrzeug in Belgien in eine Werkstatt gebracht (Reifenwechsel, Inspektion, Reparatur),so  lesen die Mitarbeiter den aktuellen Kilometerstand ab. Diesen leiten sie dann an die gemeinnützige Organisation „Car-Pass“ weiter, die jeden Kilometerstand mit dem dazugehörigen Datum speichert.

So entsteht für jedes Fahrzeug eine Historie der Kilometerstände, die es Betrügern erschwert, den Tacho zu manipulieren. Jeder Gebrauchtwagenverkäufer ist zur Vorlage dieses Dokuments verpflichtet. Wenn er das nicht tut, so ist der Vertrag nichtig und der Käufer kann sein Geld zurückfordern.

Der „Car-Pass“ darf nicht älter als zwei Monate sein, und sein Ausdruck muss auf speziellem, fälschungssicherem Papier erfolgen. Seine Gültigkeit kann im Internet durch den Käufer kontrolliert werden. Vollkommene Sicherheit bietet natürlich auch ein solches System nicht. Aber Betrüger haben's schwerer.


Großbritannien
Verbraucher können gegen Verkäufer und Kreditkartenunternehmen Ansprüche anmelden

Mit dem gekauften Produkt oder der Dienstleistung stimmt etwas nicht? Bezahlen britische Verbraucher mit Kreditkarte, so können sie Ansprüche sowohl gegen den Verkäufer als auch gegen das Kreditkartenunternehmen anmelden. Der Preis der Ware muss beim Kreditkartenkauf zwischen 100 und 30.000 britischen Pfund liegen.

Die Vorteile für Verbraucher:

man hat zwei Ansprechpartner und kann sich direkt an beide wenden,
man ist vor insolventen oder betrügerischen Anbietern geschützt,
begleicht man eine Rechnung in mehreren Raten und mit verschiedenen Kreditkarten, so haften alle Kreditkartenunternehmen in voller Höhe.

Anknüpfungspunkt für die Haftung des kartenausgebenden Unternehmens ist die Vereinbarung mit dem Vertragsunternehmen, wonach dieses sich verpflichtet, die Kreditkarte als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Das heißt aber auch, dass das kartenausgebende Unternehmen dann nicht haftet, wenn die Zahlung an einen Vermittler und nicht an den eigentlichen Vertragspartner erfolgt.

Bucht ein Verbraucher etwa einen Flug über einen Vermittler und storniert die Fluggesellschaft den Flug, kann von dem kartenausgebenden Unternehmen nicht die Erstattung des Ticketpreises verlangt werden. Die Zahlung per Kreditkarte ist schließlich nicht direkt an die Fluggesellschaft erfolgt, sondern an den Vermittler und dieser ist nicht für die Durchführung des Fluges verantwortlich, sondern lediglich für Buchung und Ausstellung der Tickets.

Prepaid-Kreditkarten und Debitkarten sind von der Regelung zudem ausgeschlossen.


Dänemark
Ein Smiley-System zeigt in Dänemark, wie es bei Restaurants um die Hygiene bestellt ist.

Seit 2001 sehen die Dänen vor dem Besuch eines Restaurants, wie es dort um die Lebensmittelsicherheit und Hygiene steht. Denn seitdem verteilt die staatliche Lebensmittelsicherheit-Aufsichtsbehörde infolge von Kontrollbesuchen „Smileys“.

Die Prüfberichte müssen im Anschluss sichtbar außen am Restaurant angebracht werden, zusammen mit dem verliehenen Smiley. Außerdem sind die Ergebnisse auch im Internet (www.findsmiley.dk) zugänglich. Die Restaurantbesitzer haben die Möglichkeit, eigene Kommentare hinzuzufügen, wenn sie mit einer Bewertung nicht einverstanden sind.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass sich die Qualität in den dänischen Restaurants deutlich verbessert hat. Hielten 2002 noch 70 % der dänischen Restaurants die Qualitätsstandards ein, waren es 2010 bereits 86 % – eine Steigerung von 23 %!
 
 

Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland

unter dem Dach des
Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz e.V.
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